SciELO - Scientific Electronic Library Online

 
vol.34 número2The art of creating futures - practical theology and a strategic research sensitivity for the futureTiwald, Markus. Hebräer von hebräer : Paulus auf dem hintergrund frühjüdischer argumentation und biblischerinterpretation. Herders biblische studien 52 índice de autoresíndice de assuntospesquisa de artigos
Home Pagelista alfabética de periódicos  

Serviços Personalizados

Artigo

Indicadores

Links relacionados

  • Em processo de indexaçãoCitado por Google
  • Em processo de indexaçãoSimilares em Google

Compartilhar


Acta Theologica

versão On-line ISSN 2309-9089
versão impressa ISSN 1015-8758

Acta theol. vol.34 no.2 Bloemfontein  2014

http://dx.doi.org/10.4314/ACTAT.V34I2.12 

RESENSIES/ REVIEWS

 

Schnabel, Eckhard J. Der erste brief des Paulus an die Korinther. Historisch-theologische auslegung (Wuppertal: R. Brockhaus; Giessen: Brunnen, 2006). 1134 S. Gebunden. ISBN 978-3-417-29724-9; 978-3-7655-9724-4. 50

 

 

Nach mehreren Monographien und Aufsátzen und seiner umfangreichen, enorm gelehrten Abhandlung über die Urchristliche Mission (Wuppertal: R. Brockhaus, 2002; Englisch als Early Christian Mission; Downers Grove: IVP, 2004) hat Eckhard Schnabel mit dem vorliegenden Band seinen ersten Kommentar zu einem ntl. Buch vorgelegt. Schnabel lehrt seit 1998 an der Trinity Evangelical Divinity School in Deerfield/Chicago.

In der Einleitung (14-54) schildert Schnabel die Stadt Korinth im 1. Jh., Paulus und die Christen in Korinth, den Anlass des 1 Kor, seine literarische Integrität (gegenüber verschiedenen Teilungshypothesen), das Verhältnis von Apostelbrief und antiker Rhetorik (42-48), die theologischen Anliegen des Briefs (das zentrale Anliegen ist das Evangelium selbst) und die Verhältnisse der Textüberlieferung (in der Auslegung bietet Schnabel durchweg übersichtliche textkritische Diskussionen an den entscheidenden Stellen). Die Einleitung stellt den Nexus von Stadt und Gemeinde sowie Theologie/Ethik überzeugend dar. Zur Bedeutung des Briefes schreibt Schnabel:

er demonstriert, wie Paulus theologische Fragen angeht, die sich infolge gesellschaftlicher Realitáten und philosophischer Einflüsse stellen. Der Brief zeigt, weshalb die Botschaft von Jesus, dem Messias und Kyrios, der am Kreuz gestorben und am dritten Tag auferstanden ist, ein notwendiger MaBstab für den Glauben und für das Leben der Jesusbekenner ist, die sich im ersten Jh. den komplexen Herausforderungen eines authentischen Christenlebens stellen (13).

Die Auslegung geschieht in zwölf groBen Abschnitten: GruB und Danksagung, 1.1-9; Konflikt I: Spaltungen in der Gemeinde, 1.10-4.21; Kompromiss I: Die wilde Ehe eines Gemeindeglieds, 5.1-13; Konflikt II: Das Prozessieren von Gemeindemitgliedern, 6.1-11; Kompromiss II: Der Verkehr mit Prostituierten, 6.12-20; Kompromiss III: Ehe und Verlobung, 7.1-40; Kompromiss IV: Götzenopferfleisch und Götzentempel, 8.1-11.1; Kompromiss V: Kopfbedeckungen im Gottesdienst, 11.2-16; Konflikt III: Die Missstände beim Herrenmahl, 11.17-34; Konflikt IV: Die Gaben des Geistes in der Gemeinde, 12.1-14.40; Kompromiss VI: Der Alltag und die Auferstehung, 15.1-58; Briefschluss: Mitteilungen und GrúBe 16,1-24. Der Band endet mit detailliertem Literaturverzeichnis sowie Autoren-und Stichwortregistern.

Nach der schier endlosen letzten groBen deutschsprachigen Kommentierung des 1 Kor im EKKNT bietet Schnabels prágnanter Kommentar durchweg eine solide philologische und historische Auslegung, die mit den neueren internationalen und interdisziplináren Fragestellungen und Beitrágen zum 1 Kor, seinem zeitgeschichtlichen Umfeld und zur Paulusforschung im Gesprách ist. Durchweg zeigt Schnabel die Einbettung des Briefs in die urchristliche Mission und die sich aus ihr ergebenden Fragestellungen (vgl. seine in der Zwischenzeit erschienene Monographie Paul, the Missionary: Realities, Strategies and Methods; Nottingham: IVP/ Apollos, 2008), so dass man von einer gelungenen kontextualisierten, historisch und sozialgeschichtlich orientierten und zugleich theologischen Auslegung sprechen kann, wie man sie in dieser Zusammenstellung und Ausgewogenheit selten antrifft.

Neben gut gewáhlten Referaten der Forschungsgeschichte und des aktuellen Forschungsstandes sowie begründeten Entscheidungen im Detail, bietet Schnabels Auslegung immer wieder neue Perspektiven und Einsichten. Positiv fállt ferner auf, dass Schnabel durchweg den atl. und frühjüdischen Hintergrund im Blick hat und zeigt, dass Paulus auch in der Entfaltung seiner Ethik mit dieser Tradition in Blickkontakt bleibt. Am Ende jedes Abschnitts erscheint jeweils eine Zusammenfassung, in der knapp die Wirkungsgeschichte verfolgt wird. Ferner wird ein Brückenschlag in die Gegenwart und in die praktische Anwendung gegeben.

In der Einleitung fehlt ein Überblick über den Gedankengang des Briefs (teilweise erscheinen entsprechende Angaben in den Einführungen zu den einzelnen Abschnitten unter 1.: Bemerkungen zum Kontext, Aufbau, literarischer Form oder Gattung sowie zum historischen und theologischen Hintergrund des Abschnitts", 8). Bei der Gliederung wáre zu fragen, ob der Abschnitt 1 Kor 8.1-14.40 nicht stárker als Einheit gesehen werden sollte (so etwa überzeugend bei Garland). An einigen Stellen würde die stárkere Analyse der Argumentation des Paulus und die Diskussion der Funktion einzelner Teil für das Briefganze die Auslegung bereichern.

Der Band eignet für Studierende und Forscher, aber aufgrund seines noch sinnvollen Umfangs, der Schwerpunkte der Behandlung und der Bmckenschláge auch für den gemeindlichen Gebrauch.

Mit Schnabels Band hat die neue Reihe Historisch-theologische Auslegung (HTA) einen bemerkenswerten Band dazubekommen.Da Schnabel zusammen mit G. Maier, H.-W. Neudorfer und R. Riesner zum Herausgeberkreis gehört, darf man mit weiteren starken Bánden in dieser Reihe rechnen. In der Zwischenzeit ist der Band zum MkEv von Hans F. Bayer erschienen (2008: Das Evangelium des Markus). Zur Reihe vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Historisch-Theologische_Auslegung_(Kommentarreihe).

Die Reihe versteht sich in der Tradition geistlicher Schriftauslegung:

Über die möglichst präzise historisch-philologische Erklärung hinaus soll die Exegese die Praxis von Verkündigung, Seelsorge sowie Diakonie im Blick behalten und Brücken in die kirchliche Gegenwart schlagen ... Alle Auslegung der Bibel als Heiliger Schrift ist letztlich Dienst in der Gemeinde und für die Gemeinde. Auch wenn die Historisch-theologische Auslegung" keine ausdrücklich homiletische Ausrichtung hat, weiB sie sich dem Ziel verpflichtet, der Gemeinde Jesu Christi für ihren Glauben und ihr Leben in der säkularen Moderne Orientierung und Weisung zu geben.

Dass sich diese Anliegen mit solider Exegese verbinden lassen, zeigt Schnabels Band zur Genüge. Damit ist der Band auch richtungsweisend für eine ntl. Wissenschaft, die sich bewusst als theologische und kirchlich gebundene Disziplin versteht und nicht zu einem Anhángsel antiker Religionsgeschichte und -phánomenologie verkommen will und jenseits der begrenzten Aufmerksamkeit in der Akademie in die Belanglosigkeit abdriften will.

 

Christoph Stenschke
Forum Wiedenest
and Department of New Testament
University of South Africa
P O Box 392, Pretoria, 0003
Republic of South Africa
E-mail: Stenschke@wiedenest.de

Creative Commons License Todo o conteúdo deste periódico, exceto onde está identificado, está licenciado sob uma Licença Creative Commons