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Acta Theologica

Print version ISSN 1015-8758

Acta theol. vol.30 n.1 Bloemfontein Jun. 2010

 

Resensies/reviews

 

 

Fürst, Alfons

Die liturgie der Alten Kirche: Geschichte und Theologie

Münster: Aschendorff, 2008). 310 pp. paperback. ISBN 3-402-06961-5. 17€

Das vorliegende Bändchen des Münsteraner Patristikers Alfons Fürst will kein Forschungsbeitrag zur Liturgiegeschichte sein, sondern ,,... Wissenswertes aus der antiken Zeit der christlichen Liturgie zusammenstellen und auf diesem Weg eine wissenschaftlich fundierte und verantwortbare Vorstellung vom liturgischen Leben und Denken der frúhen Christen vermitteln. Der Akzent liegt dabei stärker auf historischen Zusammenhängen und auf der Vernetzung von Kirchen- und Theologiegeschichte als auf liturgiewissenschaftlichen Fragen im engeren Sinne" (5). Daher beruht die Darstellung nicht auf einzelnen Quellen, sondern erfolgt nach sachlichen Gesichtspunkten. Die Geschichte und Theologie der Liturgie der Alten Kirche wird beispielhaft anhand der Eucharistie, der Taufe und der Buβe dargestellt.

In der Einführung stellt Fürst die ,,Grundlinien der Entwicklung" (9-19) dar. Er beginnt mit einer Würdigung der Bedeutung der Liturgie in der Alten Kirche:

Sie bedeutete Feier und Aktualisierung der Heilsereignisse. Ihre leitenden Motive waren das Gedächtnis an den auferstandenen Jesus, die Sehnsucht nach Teilnahme am himmlischen Kult durch dessen Vorwegnahme im irdischen Bereich und der Gedanke der Gegenwärtigkeit des Heils im dramatisch begangenen Mysterium. Sie vermittelte den Teilnehmern die Erfahrung, eine Gemeinschaft des Glaubens zu sein; sie bedeutete Gemeinschaft und stiftete sie. Auch das Bedürfnis nach dem religiösen Fest und Symbol spielte eine Rolle, ferner die Schaffung eines christlichen Lebensrhythmus durch eine liturgische Gliederung der Zeit. Schlieβlich spiegelt sich die zentrale Bedeutung der Liturgie in ihrer Wechselbeziehung zu Bekenntnis und Dogma: Die Liturgien und die liturgischen Formeln spiegelten und beeinflussten die Theologien der antiken Kirchen (9).

Vitalität, Kreativität und Vielfalt kennzeichneten die Entwicklung der christlichen Liturgie in den ersten Jahrhunderten. Die liturgischen Formen und Handlungen unterschieden sich deutlich nach Region und Zeit, bis sich allmählich im Lauf der Spätantike im Einzugsbereich der bedeutendsten Kirchen unterschiedliche Grundtypen der Liturgie herausbildeten. Fürst beschreibt die Quellen und das Verhältnis zwischen jüdischem und christlichem Gottesdienst (12f): Er notiert: ,,Insbesondere die deutlichen Unterschiede des christlichen Gottesdienstes zum heidnischen Kult erklären sich aus dem jüdischen Ursprung und der bei aller späteren eigenständigen, auch von griechischrömischer Religion beeinflussten Entwicklung bleibend jüdischen Fundierung der christlichen Liturgie" (12). Der markante Unterschied ist die Beziehung aller liturgischen Handlungen auf Jesus Christus. Ferner weist Fürst auf die Bedeutung der jüdischen Tempelliturgie hin und beschreibt das Verhältnis zwischen christlicher Liturgie und hellenistischer Religiosität sowie von Mysterium und Sakrament.

Das Kapitel über die Eucharistie (21-98) behandelt das Verhältnis von Eucharistie und Religionsgeschichte, die Feier der Eucharistie in der Frühzeit und die eucharistische Liturgie in der Spätantike, sowie die Zeremonialisierung und Regionalisierung der Liturgie. Ferner untersucht Fürst liturgische Zeiten und Orte, nämlich den christlichen Sonntag, Ostern und andere liturgische Feste sowie Entwicklung und Bedeutung des christlichen Gotteshauses (vgl. F.- H. Beyer, Geheiligte Räume: Theologie, Geschichte und Symbolik des Kirchengebäudes (Darmstadt: WB, 2008)). Abschlieβend fasst er die Theologie der Eucharistie zusammen (eucharistische Theologumena, Realismus und Symbolismus im Eucharistieverständnis, die Eucharistie in den theologischen Kontroversen und Aspekte einer eucharistischen Spiritualität).

Bei der Taufe (99-218) beginnt Fürst ebenfalls mit einer religionsgeschichtlichen Verortung. Dem folgen die Vorbereitung auf die Taufe (der Katechumenat, Katechumenat und Photizomenat, Katechese und Mystagogie), die eigentliche Taufliturgie (Elemente der Taufliturgie in der frühesten Zeit, die Taufliturgie in der Frühzeit, Besonderheiten und weitere Entwicklungen der Taufliturgie und Sonderfälle der Taufe), der Ort für die Taufe (ausführlich zu Spätantiken Baptisterien, 169-92, mit mehreren Abbildungen), Symbolik und Theologie der Taufe und Kontroversen um die Taufe (Taufe und Orthodoxie, Ketzertaufstreit, donatistische und augustinische Tauftheologie). Zur Taufe vgl. C. Lange, C. Leonhard, R. Olbrich (Hrsg.), Die Taufe: Einfuhrung in Geschichte und Praxis (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2008).

Im Abschnitt zur Buβe (219-66) behandelt Fürst urkirchliche Vorgaben, die altkirchlichen Kontroversen um die Buβe (Heiligkeitsideal und BuBpraxis, die Möglichkeit einer „zweiten BuBe" und den Buβstreit), óffentliche Buβverfahren (christliche Buβe und Religionsgeschichte, die Anfänge der christlichen BuBpraxis, Grundsätze der öffentlichen KirchenbuBe, Ritus und Ablauf sowie Sonderformen der öffentlichen Kirchenbuβe), Buβverständnis und BuBkompetenz sowie Abschlieβend die Privatisierung der BuBe. Der Band endet mit ausführlichen Anmerkungen, einem Register und einer Literaturauswahl

Fürst hat eine allgemeinverständliche, solide Einführung vorgelegt, die Studierenden und Fachleuten eine schnelle Orientierung ermöglicht. Doch kann der Band darüber hinaus auch Pfarrer und Pfarrerinnen sowie andere Leute inspirieren, die mit der Gestaltung christlicher Gottesdienste und des kirchlichen Lebens betraut sind. Fürsts Darstellung erinnert an wichtige, aber vergessene Elemente und regt dazu an, sich bei der Erneuerung bzw. Aktualisierung christlichen Gottesdienstes nicht nur von wenigen heutigen ,,Mustergemeinden" klein und groβ im eigenen Land und anderswo inspirieren zu lassen, sondern von der Alten Kirche. Vielleicht liegt ja gerade in manchen uns fremd anmutenden Elementen ein Schatz, den es zu heben gilt. Die konsequente Beziehung aller liturgischen Handlungen auf Jesus Christus ist ein wichtiges Korrektiv in Zeiten, in denen der ,,gute Gott" Hochkonjunktur hat und seinen Sohn Jesus Christus aus manchen Kirchen verdrängt.

Anregungen werden Kirchen insbesondere im Bereich der Buβe benötigen, die sie vernachlássigt, individualisiert oder anderweitig verbannt haben und spúren, dass sie ohne ihren festen Platz nur noch selten geschieht. Dabei ist es bezeichnend, dass das neue Handbuch praktische Theologie (W. Gräb, B. Weyel, eds. Gütersloh: Gütersloher, 2007) unter dem Stichwort ,,Praxisvollzüge" Artikel zum Abendmahl (D. Wendebourg, 433-45) und zur Taufe enthält (C. Müller, 698-710), aber keinen Artikel zur Buβe; sie erscheint nicht einmal im Sachregister!

Prof. Christoph Stenschke
Forum Widenest and Department of New Testament University of South Africa
P O Box 392
Unisa 0003
Republic of South Africa
E:mail: Stenschke@widenest.de