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Old Testament Essays

On-line version ISSN 2312-3621
Print version ISSN 1010-9919

Old testam. essays vol.31 n.2 Pretoria  2018

http://dx.doi.org/10.17159/2312-3621/2018/v31n2a310 

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James, Joshua T. 2017. The Storied Ethics of the Thanksgiving Psalms (Library of Hebrew Bible I Old Testament Studies 658). London - New York, NY: Bloomsbury T&T Clark. 161 Pages. Hardcover. ISBN 978-05676-7521-7.

Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine unter der Leitung von John Goldingay geschriebene Dissertation, mit der J.T. James (J.) am Fuller Theological Seminary (Pasadena, CA, USA) promoviert wurde (PhD).

Sie enthält fünf Kapitel: Zunächst wird das Lesen von (Dank-)Psalmen unter ethischer Perspektive vorgestellt. Solche Sichtweisen sind in der jüngeren Zeit auf zunehmendes Interesse gestossen (vgl. u.a. Publikationen von G. Wenham). Einen diesbezüglich noch unterentwickelten Aspekt greift vorliegende Monographie auf, nämlich 'the ethical value of story and storytelling in Israel's thanksgiving psalms' (3) Die im Buch entwickelte These lautet, ,that the storied retellings of the worshipper's (and/or community's) experience of divine deliverance in the thanksgiving psalms greatly contribute to the ethical framework or ethos of the ancient Israelite worshipping community' (4). Dazu werden drei Dankpsalmen (116; 118; 138) ausgewählt und unter zwei Fragerichtungen bearbeitet: 1. Aufweiche Weise wird durch das Erzählen der Erfahrung göttlicher Rettung ('story') die Hörerschaft ethisch geformt und umgestaltet? 2. Welches ethische Modell wird durch das öffentliche Bezeugen ('storytelling') in Hinsicht auf das Hören und teilweise Partizipieren der Gottesdienstgemeinschaft präfiguriert? J. grenzt sich dabei von einem panethischen Ansatz ab, insofern er nicht der Meinung ist, dass jede gute Liturgie ethische Implikationen mit sich führt: ,Good liturgy does not necessarily create or form good people.' (7) Im zweiten Kapitel wird der in der Theologie entwickelte narrative ethical approach' näher vorgestellt (u.a. A. Maclntyre, S. Hauerwas). Es handelt sich weniger um eine neue (exegetische) Methodik als um den Einbezug einer bestimmten Sichtweise: der Wahrnehmung der in den Texten liegenden Möglichkeit, die Zuhörerschaft wertemässig zu prägen. Anders als bei direkt adressierten Geboten, Verboten und Aufforderungen ist von einer impliziten, indirekten, aber möglicherweise ebenso wirkungsvollen ethischen Adressierung und Beeinflussung die Rede. In einen derartigen, narrativ-ethischen Ansatz wurden nicht-narrative Texte wie die der Psalmen bisher kaum einbezogen; sie finden erst seit kurzem Beachtung (vgl. C.J.H. Wright, P. McMillon). Das Gesagte wird beispielhaft am Toda-Psalm 30 dargestellt: Mit seinem Rettungszeugnis lädt der Beter die Gemeinschaft ein, ihr Leben als ein Leben der Dankbarkeit und des Lobpreises zu gestalten, im Sinn von: 'what happened to me, it could happen to you too' (25). Die in der Toda-Gattung inhärenten Betonungen von Spiritualität und gottesdienstlicher Anbetung ('worship') sind Parameter der ethischen (Trans-)Formierung der hörenden und mitbeteiligten Gemeinschaft und haben einen didaktischen Impetus.

In den Kapiteln 3-5, dem Hauptteil des Buches, wird je einer der drei genannten Psalmen unter dem vorgestellten Gesichtspunkt behandelt. J. bietet jeweils den übersetzten Psalmtext dar, behandelt kurz textkritische und linguistische Phänomene und äussert sich danach zu Struktur und Gattung des Psalms. Der Hauptteil besteht in der Interpretation des jeweiligen Psalms entlang seiner Abschnitte, unter besonderer Herausstellung der ethischen Implikationen, die am Schluss zusammengefasst werden. Für die Inhalte im Einzelnen ist auf die Ausführungen zu verweisen. Was Ps 116 betrifft, sieht J. eine Reihe wichtiger Aspekte des Ethos der altisraelitischen Gottesdienstgemeinschaft expliziert: prayer, sacrifice, thanksgiving, love/commitment, trust, hopefulness, expectancy, and gratitude' (74). In Ps 118 zeigt sich, dass die berichteten Erfahrungen didaktische, ja exemplarische Momente beinhalten; der Psalm bietet an ethos of possibility' (116), welches das Erlösungswerk JHWHs als anhaltend, weitergehend verstehen lässt. Ps 138 hat gegenüber den andern beiden Psalmen einen universalen Horizont. Yahweh's involvement in the life of this individual should become a paradigm for what might be, and as such, it should lead to an expectation of similar redemptive activity in diverse situations. Their story should lead to hope.' (142). Eine kurze Zusammenfassung beschliesst den Band. Beigegeben sind Bibliographie und zwei Indices (Stellen, Autoren).

Die vorliegende Studie zur Betrachtung der Psalmen unter einer (verstärkt) ethischen' Leseperspektive ist zu begrüssen und fügt sich gut ein in neuere und neuste Beiträge diesbezüglicher Psalmenforschung. Mit ihrem textpragmatischen Akzent erweist sie sich zudem als relevant im Blick auf die Neuverwendung der Psalmen in Glaubensgemeinschaften und für das persönliche Glaubensleben bis heute. Neben der weisheitlich-didaktisch geprägten Buchgestalt mit ihrer Tora-Struktur (Ps 1, Fünfteilung) sind die Toda-bzw. Thanksgiving-Psalmen, die über die formularische Wiederverwendung hinaus (die freilich für die allermeisten Psalmen gelten dürfte) für eine (verstärkt) ethische' Betrachtungsweise gleichsam disponiert. Ein wesentlicher Grund liegt in der dieser Gattung eigenen vertikal-horizontalen Doppeladressierung an Gott (Lobdank) wie an die teilnehmende Gemeinschaft (Bezeugung, Aufrufe etc.). J. gibt in den Einleitungskapiteln hilfreiche Hinweise und Einsichten und trägt bei der Auslegung der drei Psalmen viele gute Beobachtungen zusammen. Allerdings leidet die Arbeit an gewissen Unklarheiten und methodischen Mängeln. Ich greife drei Aspekte heraus:

1. Terminologie: Ob die Verwendung des Begriff Ethik' (und Ethos') für den gemeinten Sachverhalt glücklich ist, ist diskutierbar. Die Übertragung von Begrifflichkeit des Hautgenres Erzählung' (narrative, story, storytelling, narrative ethics etc.) in die (Psalmen-)Poesie ist jedenfalls unglücklich. Damit wird eine lineare' Wahrnehmung übergewichtet und der Rede-Charakter (in den Psalmen wird berichtet', nicht erzählt') zu wenig wahrgenommen. (Psalmen-Poesie funktioniert' anders als Narration. Entsprechend sind angepasste Verstehensparameter im Rahmen eines poetic ethical approach' zu skizzieren.

2. Gattung und Setting: J. verwendet den Gattungsbegriff thanksgiving psalms' (deutsch: Danklied [eines Einzelnen]', hebräisch: tôdâ). Auch wenn zu enge Gattungsdefinitionen nicht hilfreich sind, so ist gerade bei dieser Gattung ein (ritueller) Geschehensablauf recht gut zu erkennen und der Ort der Psalmaufführung darin: Die Bezeugung von erfahrener individueller Gottesrettung samt Dank an Gott im Dabeisein einer Gemeinschaft, die sich aus Freunden, Vertrauten und Dazugekommenen zusammensetzt. Es geht um die persönliche Erfahrung (kleine Rettung'), nicht um diejenige des gesamten Gottesvolks (grosse Rettung'). Entsprechend ist auch nicht die Volksgemeinde zugegen, vielmehr handelt es sich um eine Art familären Kleingottesdienst' (die Gattung eines [kollektiven] Danklieds Israels' ist strittig und die Abgrenzung zum Hymnus unklar). Bei J. ist die Gattung s Verwendung nicht hinreichend klar, insbesondere was die worshipping community' betrifft. Ist hier die Kleingemeinschaft der Gattung im Blick oder bereits ganz Israel (und die Kirche)? Ist die Gattungsperspektive verlassen und der Psalm als literarischer, in das Buch eingebetteter Text Ausgangspunkt? Die Vermischung' zeigt sich auch in der vorgenommenen Auwahl der Psalmen. Neben dem klassischen' Ps 30 als Beispiel und Ps 116 ist die Wahl von Ps 118 und 138 weniger glücklich. Denn die Gattung ist in diesen vermischten' Psalmen teils aufgelöst, kollektive und/oder königliche Sprechende werden einbezogen und das Toda-Setting ist aufgesprengt. Warum sind nicht unstrittige Toda-Psalmen gewählt wurden? Weshalb sind alle drei Psalmen aus dem (späten) Teilbuch V entnommen? Bei lediglich drei Psalmen, davon zwei mit diskutabler Gattungszuordnung ist eine storied ethics of the thanksgiving psalms' nicht hinreichend gewährleistet.

3. Ethik und Textpragmatik: Auch wenn das Wort von J. vermieden wird, tritt bei (s)einer ethischen Betrachtungsweise die textpragmatische Zugangsweise und Methodik in den Vordergrund. Gerade im Blick auf ethische' Momente wäre es angezeigt gewesen, die Reden in den Toda-Psalmen kommunikativ zu bestimmen (Sprechakte, Adressierungen etc.). Damit Hessen sich über die Rettungsberichte hinaus hilfreiche Differenzierungen und eine Profilierung ethischer' Momente gewinnen. So sind z.B. die Rettungsberichte in Ps 30 an Gott gerichtet (Gebet), in Ps 116 hingegen sind diese weithin Teil einer Er-Rede, also Zeugnis gegenüber den Anwesenden, allerdings gibt es solche auch in kurzen, eingelegten Gebeten (V. 8.16). In Ps 30 wird an die Anwesenden direkt appelliert; sie werden zum Mitfeiern aufgerufen und daraufhin wird ihnen eine Belehrung mitgegeben (V. 5f). In Ps 116 fehlen Aufrufe an die Mitfeiernden, dafür werden - eher ungewöhnlich - zwei kurze Selbstreden (V. lOf.) kundgetan. Was ergibt sich aus diesem Befund im Blick auf eine ethische (Trans-)Formierung der partizipierenden Gemeinschaft?

Insgesamt eine interessante Studie zu einem interessanten Thema mit vielen guten Einsichten, aber fehlender methodischer Klarheit, die der Studie gut getan hätte.

Beat Weber, Lecturer in Old Testament at Theologisches Seminar Bienenberg (Liestal), Switzerland & Research Associate of the Department of Ancient Languages and Cultures, University of Pretoria, South Africa. E-mail: weber-1ehnherr@sunrise.ch. DOI: https://doi.org/10.17159/2312-3621/2018/v31n2a310.

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