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Old Testament Essays

On-line version ISSN 2312-3621
Print version ISSN 1010-9919

Old testam. essays vol.29 n.3 Pretoria  2016

http://dx.doi.org/10.17159/2312-3621/2016/v29n3a19 

BOOK REVIEWS BOEKRESENSIES

 

 

Mensah, Michael Kodzo 2016. I Turned Back my Feet to Your Decrees (Psalm 119,59): Torah in the Fifth Book of the Psalter (Österreichische Biblische Studien 45). Frankfurt a. M.: Peter Lang. 370 Seiten, Hardcover, 70, ISBN 978-3-631-67229-7.

Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um die überarbeitete Fassung einer unter dem Mentorat von Gianni Barbiero gefertigten Dissertation, mit der der Vf. aus Ghana am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom promoviert wurde. Sie enthält vier Hauptkapitel und bearbeitet zur im Untertitel angegebenen Thematik die Psalmen 111; 147 und 119 einzeln und in ihrem Setting innerhalb des letzten Teilbuchs (Ps 107-150).

In Kapitel I werden Fragestellung und Vorgehensweise abgesteckt. Untersuchungsgegenstand ist die Rolle der Tora" im letzten Psalterteilbuch. Ausgehend von J.L. Mays sieht Vf. die Thematik in den fünf Psalmen 111f.; 119; 147f. vorliegen. Davon behandelt er Ps 111; 147 und - ausführlich - 119 (dazu kurz Ps 112 und das finale Hallel Ps 146-150). Methodisch-exegetisch geht er von einem synchronen (literaturwissenschaftlichen) Ansatz aus, wobei die poetischen Strukturen besondere Beachtung erfahren.

Kapitel II widmet sich den Psalmen 111 und 147 und ihrer Tora-Thematik. Für Ps 111 erarbeitet Mensah eine Hauptgliederung in vier Stanzen (1-3 | 4-6 | 7-9 | 10). Die Tora-Thematik sieht Vf. im Bundesgedenken in V. 5 (den Sinai evozierend) und durch Begrifflichkeit in V. 7f. angezeigt. Mit E. Zenger erachtet er den Psalm als von Tora-Weisheit" (mit Affinitäten zu Ps 1) bestimmt. Unter Einbezug des Nachbarn Ps 112 kommt Vf. zum Schluss: The juxtaposition of the two psalms achieves a truly holistic view of the observance of YHWH's Torah" (57). Der gegenüber Ps 111 doppelt so umfangreiche Ps 147 hat eine strophisch noch untergliederbare Struktur von drei Stanzen (1-6 | 7-11 | 12-20). Die Torah terms" finden sich (lediglich) in der letzten Stanze (insgesamt sieben Begriffe in V. 16.18-20). Der Psalm wird anschliessend ins finale Hallel, wo sich ebenfalls da und dort Tora"-Begrifflichkeit findet (Ps 146,7; 148,8; 149,9), eingezeichnet.

Kapitel III behandelt mit Ps 119 nicht nur den längsten Psalm, sondern weist mit rund 200 Seiten auch den mit Abstand grössten Umfang in dieser Monographie auf. Es ist m.E. auch der beste Teil im Buch. Vf. geht nach der Übersetzung der Struktur entlang. Die alphabetische Akrostichie markiert die stanzische Gliederung in 22 Einheiten zuje 8 Versen. Ob über diese Gliederung hinaus der Megapsalm eine Struktur und Entwicklung aufweist, ist in der Forschung umstritten. Mensah ist anderer Meinung und schreibt: My hypothesis is that the 22 stanzas of the psalm are united by the theme of the 'return' to YHWH's Torah." (105) Um dies zu belegen untersucht er Sub- und Superstrukturen von Ps 119, erarbeitet die Poesie und zeichnet die thematische Entwicklung nach. Die Stanzen sind nach ihm gleichmässig in jeweils vier Verse umfassende Strophen gehälftet. Als Makrostruktur des Psalms ergibt sich folgendes Muster: Canto 1 (Stanzen I+II: V. 1-16) - Canto 2 (Stanzen III-VI: V. 17-48) - Canto 3 (Stanzen VII-XI: V. 49-88) - Canto 4 (Stanzen XII-XVI: V. 89-128) - Canto 5 (Stanzen XVII-XX: V. 129-160) - Canto 6 (Stanzen XXI+XXII: V. 161-176). Detailreich und in Diskussion mit der Forschung werden die einzelnen Relationen der kleineren und grösseren Strukturbausteine aufgewiesen und ein mittezentriertes Gesamtarrangement der fünf Cantos nach dem Muster ABCC'B'A' plausibilisiert. Im doppelten Zentrum des Psalms -greifbar namentlich in den einander zugeordneten Stanzen IX und XVI - figuriert das Thema als Bekenntnis des sprechenden Ichs zum eigenen FehlVerhaltens (irren") und seine Züchtigung als Folge davon (vgl. ענהV. 67.71 .107). Eine freiwillige Opferdarbringung mit Worten markiert den Abschluss (V. 108). Mit andern Worten: Die Tora-Weisheit wird aus einer existentiellen Betroffenheit heraus in dieser Breite entfaltet. Das sprechende Ich ist weder ein etablierter Lehrer der Weisheit noch ein König, sondern ein TIS, ein junger, unerfahrener Mann (Ps 119,130). Als Einfältiger" wurde er durch Gottes Worte und Weisungen verständig gemacht. Damit ist die im Psalm zum Ausdruck gebrachte Tora-Observanz von Gottes gnädiger Zuwendung gleichsam umfangen.

The young man in Ps 119 is clearly vulnerable, depicting the portrait of the פתייםin the Psalter (Ps 116,6) who are entirely dependent on YHWH for protection. Even more important moreover, is the young man's capacity to receive instruction ... It would appear that the Psalmist is arguing that knowledge of Torah is more widely accessible than just to the elite of traditional Wisdom. (282).

Im zweiten Teil von Kapitel III wird die Platzierung von Ps 119 innerhalb des letzten Psalterteilbuchs bedacht. Mensah sieht mit andern Forschern Ps 119 in dessen Zentrum, kommt aber teilweise zu einer andern Gesamtkonstellation. In der von ihm angenommenen chiastischen Anlage (ABCD - E = Ps 119 - D'C'B'A') bilden Ps 107 / 146-150 den Rahmen und die Gruppen Davidpsalmen (Ps 108-110 / 138-145), gepaarte Psalmen (Ps 111f. / 135f. [+ 137]) und liturgische Psalmen (Ps 113-118 / 120-134) die inneren Kreise. Der Kern mit dem Tora-Psalm und dem liturgischen Rahmen sieht er vorgeprägt in Teilbuch I mit Ps 19 gerahmt von Ps 15 / 24.

Im Schlusskapitel IV werden die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammengetragen. Der Band schliesst mit Bibliographie und zwei Indices (Themen und Bibelstellen).

Die Stärke dieser Studie liegt in der sorgfältigen Erarbeitung der poetischen Strukturen der untersuchten Psalmen. Insbesondere die Überlegungen von Mensah zu Ps 119 sind gewinnbringend und führen die Forschungsdiskussion weiter. Sowohl seine Ausführungen zur Gesamtanlage als auch zur Themenentwicklung und zum sprechenden Ich verdienen Beachtung. Eigentlich hätte sich seine Monographie auf Ps 119 beschränken und allenfalls noch ein paar Linien zu anderen von Tora und Weisheit imprägnierten Psalmen des Psalterteilbuchs (IV und) V ausziehen können. Ausgehend von der ohne Begründung übernommenen Kategorisierung von J. L. Mays bleibt die Textbasis aufgrund von lediglich drei analysierten Psalmen sowie der begründeten, aber nicht überzeugenden Nicht- bzw. Randbehandlung zweier weiterer Psalmen zu dünn". Der im Untertitel angezeigte Anspruch, die Tora als bestimmend für das gesamte Teilbuch V zu etablieren, halte ich weder für notwendig noch für geglückt. Der Begriff תורה„(Weg-, Unter-)Weisung" erscheint im letzten Teilbuchs ja ausschliesslich in Ps 119 (dort freilich häufig). Selbst wenn man die Begrifflichkeit ausweitet (wie Vf. es tut, der - diskussionswürdig - ein recht breites Begriffs- und Themenfeld einschliesst), scheint mir die Thematik für das gesamte Teilbuch nicht derart distinktiv. Anfragen ergeben sich auch bei der Annahme von stark asymmetrischen Struktureinheiten (wie im Fall von Ps 111 und der Gesamtanlage von Teilbuch V). Trotz dieser Vorbehalte ist M.K. Mensah für die insgesamt gute und weiterführende Monographie zu beglückwünschen. Namentlich seine Verbindung von Beobachtungen zu Struktur, Thematik und dem Zeugnis des sprechenden Ichs als junger, einfältiger" Mann und seinem Weg vom Irren bis zur Läuterung hat eine neue Verstehensdimension für Ps 119 eröffnet und den Rezensenten weithin überzeugt.

 

Beat Weber

Lecturer in Old Testament at Theologisches Seminar Bienenberg (Liestal), Switzerland & Research Associate of the Department of Ancient Languages and Cultures, University of Pretoria, South Africa. E-mail: weber-lehnherr@sunrise.ch.

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