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    HTS Theological Studies

    Print version ISSN 0259-9422

    Herv. teol. stud. vol.64 no.3 Pretoria July/Sept. 2008

     

    BOEKBESPREKINGS / BOOK REVIEWS

     

     

    Heither, T & Reemts, C 2007 - Biblische Gestalten bei den Kirchenvätern: Adam (Biblische Gestalten bei den Kirchenvätern)
    der Verlag: Aschendorff 334 S., 36 €, ISBN 978-3-402-04387-5
    der Rezensent: Prof Dr Christoph Stenschke (Missionshaus Bibelschule Wiedenest - Germany and Professor extraordinarius, University of South Africa)

    Die vorliegende Studie ist der zweite Band in der neuen Serie Biblische Gestalten bei den Kirchenvätern, die sich dem patristischen Verständnis biblischer Gestalten widmet. Der erste Band zu Abraham war 2005 erschienen. Dabei ist es das Ziel, "die Art und Weise, wie die großen Theologen der frühen Christenheit die Bibel lasen, vorzustellen und so zu einer geistlichen Schriftauslegung in unserer Zeit Anregungen zu geben" (6). Den Lohn solcher Beschäftigung beschreiben die Autorinnen wie folgt:

    Für die Kirchenväter ist die Bibel Quelle und Ziel jeder Freude, jeder Schönheit, aber auch jeder denkerischen Bemühung. Ihre Werke sprechen von der Faszination, die von der Bibel ausgeht und der man sich, einmal davon gepackt, nicht mehr entziehen kann. Dadurch leiten sie auch ihre Leser an, die Bibel zu lesen, sie neu zu lesen, sie wieder und wieder zu lesen und in ihr die Begegnung mit Gott zu suchen. Die Beschäftigung mit ihrer Theologie zwingt uns, gerade weil sie uns in vielem fremd ist und unsere Plausibilitäten nicht teilt, unser Selbstverständnis und unsere Denkgewohnheiten zu hinterfragen und zu neuen Fragen vorzustoßen (6).

    Das Vorwort (11-13) umreißt die altkirchliche Bedeutung Adams: "Adam wird in der patristischen Theologie große Aufmerksamkeit gewidmet, ja man kann sagen, dass er für die Väter eine der ganz zentralen biblischen Gestalten ist. An ihm, dem ersten Menschen, kann man ablesen, was Menschsein bedeutet, er ist Maßstab, Vorbild und zugleich warnendes Beispiel für alle seine Nachfahren, und - das ist für christliche Theologie entscheidend wichtig - Typos des `zweiten Adam', Jesus Christus" (11). Dabei geht es um Adam als den Menschen am Anfang, nicht aber um Adam als den Menschen überhaupt.

    Reemts beginnt mit einem Überblick über die mit Adam verbundenen Themen in der Väterexegese (18-106): Was heißt "Adam"?, die Einheit der Menschheit in Adam, Adam als Geschöpf Gottes, als Bild Gottes, als Wesen aus Leib und Seele sowie Adam als Bewohner des Paradieses (Leben in der Gottesgemeinschaft, der königliche Mensch, der jugendliche Mensch, der keusche Mensch, der ganz freie Mensch). Nach den Vätern kann nur an Adam gezeigt werden, wie das Wesen Mensch gedacht war. Nur an ihm ist abzulesen, wie Gott den Menschen gewollt und in welchen Stand er ihn gesetzt hatte. Und, "Die Väter machen deutlich, dass wir von Adam nicht nur die Sünde geerbt haben, sondern auch die Gottesebenbildlichkeit und damit den verantwortungsvollen Auftrag, Gott in der Welt gegenwärtig darzustellen" (105).

    Heither stellt in Teil zwei die wichtigen Auslegungen von Genesis 2.15-5.5 durch die Väter zusammen (107-246, erst ab 2.15 erscheint der Name Adam in der LXX, vorher ist vom Menschen allgemein die Rede, 107): Adam im Paradies, die Hilfe für Adam, die Verführung, der Sündenfall, Gott sucht den Menschen, das Verhör Gottes, der Urteilsspruch (hier auf Behandlung des Verständnisses von Gen 3.15 als Protoevangelium), Adam gibt der Frau den Namen, Gottes Handeln nach der Sünde und die Geschlechterfolge Adams (Zusammenfassung und Auswertung, 246). Dabei greift Heither hauptsächlich auf folgende Väter zurück: Origenes, Homilien zur Genesis, Didymus, In Genesin; Johannes Chrysostomos, Homilien zur Genesis; Theodoret, Questiones in Octateuchum; Cyrill von Alexandrien, Glaphyra in Pentateuchum; Augustinus, Zwei Bücher über die Genesis gegen die Manichäer und De genesi ad litteram libri duodecim und Prokop von Gaza, Katenenkommentar zum Octateuch (Zusammenstellung und knappe Einführung auf S. 108f). Nach der Darstellung der Exegese fasst Heither jeweils den theologischen Ertrag ansprechend zusammen.

    Teil drei gilt der Sünde Adams im Verständnis der Väter (247-81, Reemts) unter folgenden Überschriften: Wer gab den Anstoß?, das Wesen der Sünde (Ungehorsam, Gier, Stolz), die Folgen der Sünde für Gott und seine Engel, für die Beziehung des Menschen zu Gott, für die Beziehung des Menschen zu sich selbst, für die Beziehung der Menschen untereinander sowie Tod und Grab Adams. Die Sünde Adams ist in sich unverständlich. Auch die Kirchenväter können sie nicht erklären. Aber, "Sehr deutlich wird bei den Vätern, dass die Sünde mehr ist als ein bedauerlicher Unfall, sie ist die radikale Zerstörung der Beziehung von Gott und Mensch und zieht nach sich zerstörte Beziehungen innerhalb der Schöpfung" (281).

    Teil vier untersucht die ntl. Aussagen über Adam bei den Kirchenvätern (286-307; Heither), da nur vom neutestamentlichen, weitgehend christologisch geprägten Adamverständnis her die Reflektion der Väter auf Adam zu verstehen ist:

    Die Väter lesen und erklären die Schrift des AT von Christus her und erkennen einen durchgehenden Heilsplan Gottes mit dem Menschen. Was in Adam begonnen hat und was dieser in eine falsche Richtig gelenkt hat, das wird in Christus so aufgenommen, dass der Mensch wirklich zu dem von Gott gewiesenen Ziel geführt wird. In Christus wird der Mensch neu geschaffen, er ist der Stammvater der neuen, erlösten Menschheit (283).

    Adam und Christus erscheinen im NT als die zwei Stammväter, die unter dem Stichwort der recapitulatio zusammengebracht werden. Ferner ist Adam ein Typos des Kommenden. Christus steht im Gegensatz zu Adam. Ein "adamitisches" Menschsein wird der Zugehörigkeit zum Leib Christi gegenübergestellt. Ferner stellt Heither Adam und Eva Christus und die Kirche gegenüber.

    Im Epilog zeichnet Reemts "Die Rettung Adams" nach (309-16; Erlösung oder Verwerfung Adams in der patristischen Diskussion - die Erlösung Adams wird bei den Kirchenvätern mit der sog. Höllenfahrt Christi in Verbindung gebracht; ferner die Bezüge zwischen Protologie und Eschatologie). Der Band schließt mit Bibliographie und Register von Bibelstellen und Texten der Kirchenväter.

    Der Band gibt einen hervorragenden Einblick in die patristische Exegese und Theologie (vgl. dazu M. Friedrowicz, Theologie der Kirchenväter: Grundlagen frühchristlicher Glaubensreflexion; Freiburg, Basel, Wien: Herder, 2007). Durch die Übersetzungen und Einführungen werden die diskutierten Texte gut erschlossen. Der gründlich erarbeitete Band ist für eine theologisch orientierte Exegese der biblischen Adamsstellen inspirierend (durchaus auch für die homiletische Bearbeitung der Genesis), enthält mehrere Perspektiven für eine gesamtbiblische Theologie und für verschiedene Themen der systematischen Theologie. Die Reflektionen der Autorinnen ("Zum Weiterdenken") sind weiterführend. Erarbeitet wurde der schöne Band in der Benediktinerinnen-Abtei Mariendonk am Niederrhein, zu der die Autorinnen gehören, und die sich um die Erschließung und Bewahrung des Vätererbes verdient gemacht hat (vgl. www.mariendonk.de).

    In diesem Zusammenhang ist ferner auf die neue Serie Novum Testamentum Patristicum hinzuweisen, die die patristische Exegese zu einzelnen ntl. Büchern zusammenfassen und auswerten will (hrsg. A. Merkt, T. Niklas). Als erster Band erschien M. Meiser, Galater, NTP 9 (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2007); vgl. http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Theologie/alte-kg/html/ntp.html). Ferner ist auf die englische Serie The Church's Bible, die sich mit gleicher Absicht der ganzen Bibel widmet (hrsg. R. L. Wilken). Bisher erschienen R. A. Norris, The Song of Songs: Interpreted by Early Christian and Medieval Commentators (Grand Rapids, Cambridge: Eerdmans, 2003), J. L. Kovacs, 1 Corinthians (gleicher Untertitel und Verlag, 2005) und R. L. Wilken, Isaiah (2007; vgl. meine Rez. in Religion & Theology, im Druck); zur Serie vgl. www.eerdmans.com.